Sunnseitgarten

Marktgarten im No-Dig-System in Grünau im Almtal

Sunnseitgarten Grünau im Almtal

Der Sunnseitgarten ist der Anfang von allem. Bevor es den Biomarkt in Gmunden und den Store in Kirchdorf gab, gab es ein Stück Land in Grünau im Almtal, eine Idee und sehr viel Handarbeit. Hier wächst, was uns wichtig ist – und hier haben wir gelernt, worauf es uns ankommt.


Heuer ist es ruhiger bei uns

Damit du es gleich weißt: Seit Juli ruht ein Teil unserer Flächen. Der Hofladen hat geschlossen, den Direktverkauf ab Hof und die Gemüsekiste gibt es diese Saison nicht. Wir haben in zwei Jahren viel aufgebaut und uns entschieden, den Garten für eine Saison zurückzunehmen, statt alles gleichzeitig halb zu machen.

Was weiterläuft: Pilzzucht und Imkerei. Und was der Garten hergibt, kommt in kleineren Mengen in den Biomarkt Gmunden. Gartenführungen machen wir weiterhin gerne – ruf einfach an: 0660 4777591.

Im nächsten Jahr starten wir wieder durch. Warum wir die Pause machen, erzählen wir hier ›


Wie wir anbauen

Gemüse, Obst und Beeren wachsen bei uns auf permanenten Beeten im No-Dig-System, auf rund 1400 Quadratmetern – das meiste im Freiland, dazu ein Folientunnel. „No Dig" heißt: Der Boden wird nicht umgegraben. Statt ihn jedes Jahr aufzureißen, legen wir Kompost obenauf und lassen das Bodenleben die Arbeit machen. Regenwürmer, Pilzgeflechte und Mikroorganismen bauen die Struktur auf, die eine Fräse zerstören würde.

Rund 50 verschiedene Gemüsearten stehen bei uns – von Salaten über Fisolen und Erbsen bis zu Tomaten, Zucchini, Süßkartoffel, Spargelsalat, Erdbeeren, Mairüben und Physalis. Von den meisten Arten haben wir zusätzlich alte Sorten und Raritäten, sodass echte Vielfalt entsteht.

Gedüngt wird ausschließlich mit Kompost, Mist, Pflanzenjauchen, Steinmehl und effektiven Mikroorganismen. Von der Anzucht bis zur Ernte kommt kein einziges künstliches Mittel zum Einsatz. Das Ergebnis schmeckt man: Langsameres Wachstum, gesunder Boden und eine durchdachte Sortenauswahl machen das Gemüse intensiver im Geschmack und gehaltvoller.


Pilze aus dem Keller

Unsere Pilze wachsen auf Regalen in unserem Keller, auf Biosubstrat aus Bio-Stroh und Holz. Das Substrat wird mit der Pilzbrut beimpft, und nach der Wachstumsphase können wir ernten. Danach wird das abgeerntete Substrat zu hochwertigem Kompost – der wiederum auf unseren Beeten landet. Ein geschlossener Kreis, bei dem nichts übrig bleibt.

Was bei uns wächst:

  • Austernpilz – erinnert im Geschmack an Kalbfleisch und entwickelt beim Erhitzen kräftiges Umami. Er enthält alle für den Menschen notwendigen Aminosäuren, viele Ballaststoffe und Mineralstoffe, ist dabei fettfrei und durch die geringen Purinanteile auch für Rheuma- und Gichtpatienten geeignet.
  • Kräuterseitling – kräftig und herzhaft, erinnert an Steinpilz. Festes Fleisch, das beim Garen bissfest bleibt. Hervorragend zum Grillen.
  • Shiitake – aromatisch, leicht knoblauchartig, in Ostasien „König der Pilze". Vier bis fünf Stück decken den Tagesbedarf an Vitamin D2.
  • Pom Pom – auch Igelstachelbart oder Löwenmähne genannt. Einer der wenigen Pilze, die gekocht ein deutliches Hummer-Aroma entwickeln. Dekorativ, korallenartig, eine echte Delikatesse.
  • Rosenseitling – dunkelrosa bis grau, im Aroma erinnert er an Speck. Je feiner geschnitten, desto ausgeprägter. Ersetzt in Gröstl, Knödeln und Saucen den Speck.
  • Limonenseitling – leuchtend gelb, fein und frisch im Geschmack, passt besonders gut zu hellem Fleisch und weißem Fisch.

Rosen- und Limonenseitling gibt es bei uns nur ab und zu.


Microgreens

Microgreens sind junge Gemüsepflanzen im Keimlingsstadium – das bekannteste ist die Kresse. Ihre Nährstoffdichte ist um ein Vielfaches höher als beim ausgewachsenen Gemüse: Rotkraut-Microgreens enthalten pro Gramm rund 260-mal so viel Beta-Carotin, 6-mal so viel Vitamin C und 40-mal so viel Vitamin E wie ausgewachsener Rotkohl.

Der Unterschied zu Sprossen liegt im Licht. Microgreens ergrünen, bilden Chlorophyll und damit hochwertiges Eiweiß – aus dem Samen wird eine kleine Pflanze mit eigener Kraft. Geschmacklich reicht die Bandbreite von mild und erfrischend bis scharf-würzig und süßlich, immer deutlich intensiver als beim ausgereiften Gemüse. Im Salat, auf Suppe, im Smoothie, auf dem Butterbrot oder als Topping.


Bienen und Honig

Martin imkert seit 2020. Inzwischen sind es rund 15 Bienenstöcke, die meisten davon bei uns im Garten. Bienen kann man bekanntlich nicht einzäunen – aber weil es im weiten Umkreis keine konventionelle Feldwirtschaft gibt, können wir zu unserem Honig wirklich Bio sagen.

Wir arbeiten im angepassten Brutraum mit Dadantmaß in Holzbeuten und halten Carnica- und Buckfastbienen. Das Wachs wird regelmäßig auf Pestizidrückstände untersucht. Gegen die Varroamilbe arbeiten wir vor allem mechanisch und setzen nur sehr wenig organische Säure ein – und das ausschließlich nach der Honigernte. Zugefüttert wird im Winter nur mit Biozucker.

Es gibt Sommerhonig, Cremehonig und Waldhonig. Und die eine oder andere Biene bekommt auch ihre Streicheleinheiten, wofür wir gelegentlich mit einem Stich belohnt werden.


Was sonst noch bei uns wächst

Jungpflanzen. Die meisten Jungpflanzen für den eigenen Garten ziehen wir selbst – und im Frühjahr immer etwas mehr, sodass sich beim Jungpflanzenmarkt auch andere eindecken können. Tomaten- und Paprikararitäten, Gurken, Zucchini, Kürbis, Kräuter, Salat und die eine oder andere Blume. Wir verwenden nur Sorten, die sich bei uns bewährt haben. Sie wachsen von Anfang an unter direktem Sonnenlicht in einem kleinen Folientunnel mit beheizbaren Tischen – dadurch sind sie robuster.

Hühner. Im Stall gegenüber vom Garten wohnen rund 60 Hühner – braune Legehennen, Grünleger, Weiße, Sperber und ein paar Sulmtaler. Ab etwa neun Uhr genießen sie ihren großen, mit Bäumen und Sträuchern bewachsenen Auslauf. Besuchen darf man sie jederzeit, wenn sie draußen sind.

Obstbrände. Unser Obst brennen wir in einem alten, holzbefeuerten Kupferkessel. Weil der Obstkorb begrenzt ist, entstehen nur kleine Mengen – Trauben-, Zwetschken-, Birnen- und Apfelbrand, dazu ein Bananengeist aus geretteten Biobananen.

Sonne im Glas. Aus Gemüse, Pilzen und Microgreens kochen wir in unserer eigenen Küche ein: Kürbissalat, Senfgurken, Gurkensalat, Zucchinisalat, Letscho, Gemüsesugo und Zucchinisticks. Alle Gewürze und Essige dafür sind ebenfalls Bio.


Wie alles begonnen hat

Mai 2021 – der Versuchsgarten. Wir wollten wissen, ob das überhaupt funktionieren kann. Also legten wir einen kleinen Versuchsgarten an, um Erfahrung für eine erste richtige Saison zu sammeln. Bis auf Raupenschaden an den Kohlgewächsen – wir hatten ohne Insektennetz gearbeitet – und ein paar Tomaten, die dem vielen Regen und der falschen Sortenwahl zum Opfer fielen, ist fast alles gelungen.

Sommer 2021. Wir erweiterten die Beetfläche und setzten die ersten Obstbäume: Apfel, Kirsche, Zwetschke, Birne und Weinreben.

Jänner 2022. Logo, Folder und Infozettel entstehen. Der Anzuchtfolientunnel wird aufgestellt, die ersten Anzuchten laufen.

Februar 2022. Unsere Ziege Mimi bekommt Kitze.

März 2022. Der große Folientunnel wird aufgestellt, sechs mal zwanzig Meter, für Tomaten und Paprika. Ohne Freunde, die mitangepackt haben, wäre das nicht gegangen.

Mai bis Dezember 2022 – die erste Saison. Sie lief, wie wir es uns erhofft hatten: Alle Kisten konnten wir gut füllen, und es blieb genug Gemüse für den Verkauf.

2023. Wieder eine gute Saison, mit hoher Arbeitsintensität und weiterem Aufbau. Ende November steigen wir in Pilzzucht und Microgreens-Produktion ein, der Zuchtkeller wird fertig.

Ab 2024. Aus dem Marktgarten wird Sunnseit: erst der Hofladen in Grünau, dann der Biomarkt in Gmunden und der Store in Kirchdorf.


Feldfrüchtegebet

Die Natur, der Boden, alternative Bewirtschaftungsformen, die Menschen und unsere Zukunft liegen uns als bekennenden katholischen Christen seit jeher am Herzen. Dieses Gebet gehört für uns zum Garten dazu.

O Gott, du hast uns einen Leib gegeben, der Speise und Trank zur Nahrung bedarf.
Du hast die Erde so eingerichtet, dass sie Pflanzen und Früchte aller Art trägt.
Du hast uns befohlen, dass wir die Erde im Schweiße des Angesichtes umgraben und anbauen sollen.
Sieh unsere Arbeit, die wir bisher verrichtet haben und ferner verrichten, gnädig an!
Segne, sofern es dir wohlgefällig und uns ersprießlich ist, den Samen, den wir ausgesät haben!
Gib dem Lande fruchtbares Wetter, wie wir es brauchen: milden Regen und Sonnenschein zur rechten Zeit!
Bewahre die Feldfrüchte vor anhaltender Dürre, Nässe, Mehltau, Frost, Hagel, Wolkenbrüchen und allem, was sie verdirbt.
Gib uns, himmlischer Vater, unser tägliches Brot!
Du nährst ja die Vögel und alle Tiere, die nicht arbeiten und deine Güte nicht erkennen: wie viel mehr uns, deine Kinder.
Wir wollen die Gaben aus deiner Vaterhand empfangen und deiner Güte uns dankbar freuen.
Speise und Trank, die du uns bescherst, wollen wir zu rechter Zeit und mäßig genießen,
auch den Armen gern davon mitteilen und uns bestreben,
dir durch ein nüchternes, rechtschaffenes und frommes Leben wohlzugefallen.


Komm vorbei

Auch wenn der Garten heuer eine ruhigere Runde dreht: Gartenführungen machen wir weiterhin gerne. Wer sehen möchte, wie No-Dig in der Praxis aussieht, wie die Pilze im Keller wachsen oder wie es bei den Bienen zugeht, meldet sich einfach.

Sunnseitgarten – Andrea und Martin Drack
Edthof 18, 4645 Grünau im Almtal
Telefon: 0660 4777591
E-Mail: office@sunnseit.shop